Foto zoologischergarten

OPER DYNAMO WEST

OPER DYNAMO WEST sucht überall nach Theater.

Wir begegnen Menschen an ihren Orten: Ladenbesitzern am Bahnhof Zoo, Bauern in Brandenburg, HipHoppern in Schöneberg, Damen im Corbusier-Haus, Spaziergängern im Tiergarten oder Senioren-Chören in Halle.
Daraus entwickeln wir unsere Inszenierungen: Wir inspizieren und erforschen Orte, wir führen Interviews und sammeln Materialien. Das entstandene Recherchematerial verweben wir mit fiktiven Elementen und zeigen unsere Stücke vor Ort oder bringen sie ins Theater. Wir arbeiten mit der Architektur und Geschichte unserer Spielorte und beeinflussen, transformieren und hintergehen urbane Strukturen.

Auch die Musik für unsere Inszenierungen entsteht im Rechercheprozess: Aus den Klängen und Geräuschen des Ortes und seiner Menschen oder aus bereits bekannten Kompositionen, die im realen Kontext plötzlich neu klingen.

Die Produktionen der Jahre 2006 bis 2008 konzentrierten sich auf den Westen Berlins, den Gründungsort von OPER DYNAMO WEST. Es entstanden Gruppenarbeiten wie die FÜHRUNGs-Reihe am Kurfürstendamm und im abgewickelten Bahnhof Zoo, die mit CAIRO! SHANGHAI! BOMBAY! am Zentralen Omnibusbahnhof unter dem Funkturm beendet wurde. Daneben entstanden in verschiedenen Konstellationen Musiktheater-Projekte, unter anderem im Europa Center, im Motel One in der Kantstraße, dem Schiller Theater, dem S-Bahnbogen Tiergarten, dem Bikinihaus oder der Deutschen Oper.

Mittlerweile überträgt Oper Dynamo West diese Arbeitsweise auch auf Orte außerhalb Berlins und erforscht dort das Musiktheater-Potential von Realität.
(Mai 2009)
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Die Lücke liegt heute woanders.
Die Oper Dynamo West schickt ihre Musiktheaterproduktionen in den Westen.

Wir erkunden die Geschichten der lauten, dreckigen, reichen, armen, aggressiv, repräsentativen Gegend um den Bahnhof Zoo.
Berlin hat sich durch den Fall der Mauer und durch die Entwicklungen in der Nachwendezeit extrem verändert; gerade der Bahnhof Zoologischer Garten und seine direkte Umgebung sind zu Symbolen dieser urbanen Veränderung geworden. Die Oper Dynamo West spürt die neuen Leerstellen des westlichen Berliner Zentrums auf und bezieht deren bisherige Funktionen und Codierungen, den alltäglichen Berliner Stadtraum und seine Bewohner unmittelbar in ihre Projekte und Inszenierungen ein.

Die vorgefundenen Spielorte sind das Ausgangsmaterial: ihre Eigenheiten, ihre Vergangenheit, ihr Klang. Die Interviews mit den Menschen, die diese Orte beleben, bilden die Grundlage für die Geschichten der Inszenierungen. Wir begreifen unsere Arbeit als kontinuierliche Recherche, reagieren immer wieder spontan auf das urbane Leben vor unserer Haustür und erforschen dabei das theatrale und musikalische Potenzial der Stadt. Die Inszenierungen spielen nicht mehr auf der Bühne eines Theaters sondern auf der Bühne des öffentlichen Raumes. Musiktheater wird zum Bestandteil des Alltags der Stadt und die Stadt-Bewohner zu Mitwirkenden und Publikum jenseits des ritualisierten Theaterbesuchs.

Die Projekte der Oper Dynamo West entstehen in der Auseinandersetzung mit der Kunstform Oper: Nicht der klassische Opernabend steht im Vordergrund, sondern das Experiment, Werke vor Ort und für den Ort neu zu erfinden.
Wir erstellen mit Projekten, Inszenierungen, Installationen, Videos und Fotos Zeichen im öffentlichen Raum, die unsere Themen reflektieren: Was ist Kulisse und was ist Realität? Was ist Fiktion und was ist Dokumentation? Wo hört man den Übergang von den Geräuschen der Stadt zu Komposition und Musik? In welchen urbanen Strukturen befinden wir uns? Wie können wir sie beeinflussen, wie können wir sie uns zu Nutzen machen und wie können wir sie hintergehen?
(Juni 2006)